Von Carsten Möhle auf Montag, 02. November 2026
Kategorie: Bwanas Ahnengalerie

Bwana der Kleine – Der wahre König von Sanssouci

Bwana der Kleine – Der wahre König von Sanssouci

Ich werde immer gefragt, „Bwana, bei den ganzen Sachen, die Du im Leben bereits gemacht hast und von denen Du erzählst, musst Du doch uralt sein?“ „Gemach“, antworte ich dann immer, „es könnte sein, dass Ihr mich mit einem meiner Verwandten verwechselt.“ Und dann gebe ich immer eine Geschichte aus dem Haus derer zu Bwana zum Besten.

Es war einmal, im Preußen des 18. Jahrhunderts, ein kleiner Mann mit einem großen Selbstbewusstsein. Sein Name war Bwana der Kleine. Er gehörte zum erlesenen Hofstaat Friedrichs des Großen und war bekannt für drei Dinge: seine geringe Körpergröße, seine erstaunliche musikalische Begabung und seine Fähigkeit, sich überall dort einzumischen, wo eigentlich der König das Sagen hatte.

Nicht selten wurde Bwana der Kleine auf den Fluren des Schlosses ehrerbietig mit „Majestät!“ begrüßt. Bwana nahm diese Verwechslungen stets gelassen hin. Er pflegte dann seine Brust herauszustrecken, den Kopf zu heben und mit königlicher Stimme zu antworten: „Ja, mein lieber Freund. Das habe ich mir auch gerade gedacht.“

Die Entstehung der Tafelrunde

Eines Tages beschloss Bwana, dass dem Schloss Sanssouci etwas Entscheidendes fehlte: eine ordentliche Tafelrunde wie auf einer Wolke. Nicht irgendein langweiliges Abendessen mit steifen Hofbeamten und engem Meinungskorridor, sondern ein geselliger Kreis aus klugen Köpfen, Philosophen, Spöttern, Dichtern und Menschen, die auch einmal dem König widersprechen durften, ohne anschließend ihre Koffer packen zu müssen.

Die Tafelrunde wurde ein voller Erfolg. Es wurde philosophiert, gestritten, gelacht und über die großen Fragen der Menschheit diskutiert. Jede Stimmung ohne Alkohol ist auch gekünstelt. Bwana der Kleine saß stets am Kopfende des Tisches, während Friedrich der Große gelegentlich am anderen Ende Platz nehmen musste. Der König behauptete später, dies sei eine pädagogische Maßnahme gewesen.

Mit den Jahren wurde Bwana am Hof immer beliebter. Voltaire schätzte seinen Humor, die Hofgesellschaft seine Tafelrunden und die Köche seine gelegentlichen Abwesenheiten.

Die Flötenspieler von Sanssouci

Wenn Friedrich seine berühmte Querflöte erklingen ließ, saß Bwana meist daneben und wartete auf seinen Einsatz. Allerdings besaß er ein Instrument, das in Preußen noch niemand gesehen hatte: eine südafrikanische Vuvuzela, eine Eintonflöte!
Als er diese eines Abends bei der Tafelrunde zum ersten Mal erklingen ließ, geschah etwas Bemerkenswertes: Voltaire verschüttete seinen Wein, zwei Hofdamen sprangen unter den Tisch, der Kammerdiener ließ das Silber fallen und Friedrichs Lieblingswindhund suchte Schutz im Weinkeller.

Bwana blieb ungerührt. „Was denn?“, fragte er beleidigt. „Jeder soll doch nach seiner Façon selig werden!“ „Gewiss“, erwiderte Friedrich, „aber muss denn Ihre Seligkeit gleich das ganze Königreich taub machen?“ Bwana erklärte, die Vuvuzela sei ein Instrument der Völkerverständigung. Friedrich entgegnete, sie sei eher eine Kriegserklärung an die Trommelfelle.

Aber den Spruch mit der Facon hat er sich gemerkt und später bei vielen Gelegenheiten als seinen eigenen ausgegeben.

Voltaire notierte daraufhin in seinem Notizbuch: „In Preußen herrscht Religionsfreiheit. Die musikalische Freiheit hingegen scheint grenzenlos – und gefährlich.“

Der Müller und seine Mühle - Über Gerechtigkeit

Ein weiteres Kapitel seiner Regentschaft – pardon, seiner Tätigkeit am Hofe – schrieb Bwana der Kleine mit der berühmten Geschichte vom Müller und seiner Mühle.

Als der König eines Tages beschloss, eine Mühle in der Nähe von Sanssouci abzureißen, weil sie seinen freien Blick störte, erhob sich Widerstand. Der Müller weigerte sich standhaft und berief sich auf sein Recht. Er besaß sein Grundstück rechtmäßig und wollte sich nicht einfach vertreiben lassen.

Bwana, der gerade zufällig als König angesprochen worden war, hörte sich die Angelegenheit an und sagte mit ernster Miene: „Majestät, wenn jeder Mächtige in Berlin einfach nehmen könnte, was ihm gefällt, wäre das Königreich bald nur noch ein großer Selbstbedienungsladen mit Krone.“

Der Müller müsse sein Recht behalten, erklärte Bwana. Denn auch ein König stehe nicht über dem Gesetz.

Friedrich der Große, der die Angelegenheit inzwischen selbst übernommen hatte, soll daraufhin schmunzelnd gesagt haben: „Es ist doch erstaunlich, wie oft dieser kleine Mann recht hat, wenn er gerade für mich gehalten wird.“

Und so blieb die Mühle stehen – als Zeichen dafür, dass Gerechtigkeit manchmal stärker ist als königliche Macht in Berlin.

Bis heute erzählen sich die Besucher von Sanssouci ohne Sorge, dass Friedrich der Große ein großer König gewesen sei. Doch die Eingeweihten wissen es besser: Die Tafelrunde, Voltaire, die Vuvuzela und die Rettung der Mühle – all das wäre ohne Bwana dem Kleinen nicht möglich gewesen. Vom weitgereisten Bwana wurde Biltong nach Preußen eingeführt, aber man erinnert sich Heute nur noch an die Kartoffeln.

Friedrich regierte Preußen. Bwana aber regierte die Herzen.

Und wenn in einer lauen Sommernacht aus Richtung Sanssouci ein merkwürdiger, durchdringender Ton zu hören ist, dann ist das vermutlich nicht der Wind.

Es ist Bwana der Kleine.

Er übt noch immer auf seiner Vuvuzela – und wartet darauf, dass ihn endlich wieder jemand mit dem König verwechselt. Und wenn heute irgendwo in Südafrika eine Vuvuzela ertönt, könnte es durchaus sein, dass Bwana der Kleine noch immer unterwegs ist.