Erckert-Expedition

Erckert Expedition

Forschungsexpedition in den Kgalagadi Nationalpark zur Auffindung des letzten Gefechtsfeldes des Hottentottenkrieges.

Leitung und Durchführung: Carsten Möhle

Termin:  23. November - 01. Dezember 2010        Preis: 1.065 Euro pro Person


Forschungshintergrund

Das Gefechtsfeld  vom 16.März 1908 bei "Seatsub"  mit den beiden Einzelgräbern vom Hauptmann Erckert, Leutnant Ebinger und dem Gemeinschaftsgrab von 13 Kamelreitern wurde das letzte mal Anfang der 70er Jahre positiv vom langjährigen südafrikanischen  Kalahari Gemsbok Nationalparkleiter La Riche identifiziert.  Seitdem sind 5 Expeditionen aufgebrochen, um das Gefechtsfeld und die Gräber wiederzufinden. Ohne Erfolg.

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Geschichtlicher Hintergrund

Erckert Expedition

Erckert ExpeditionSimon Kopper war "der letzte Taliban"  zum Ende des Hottentottenkrieges. Hauptmann Friedrich von Erckert bekommt den Auftrag die letzten aufständischen „Hottentotten“ (heute Nama) zu bekämpfen, die aus der Kalahari, vom britischen Gebiet aus, immer wieder deutsche Siedlungen und Posten angreifen. Um die Gegner in die Wüste verfolgen und schlagen zu können, wird die Truppe mit Kamelen ausgestattet und die frischen Soldaten aus der Heimat für dieses eine Gefecht akribisch ausgebildet. Man trainiert die bitteren Tschama Wüstenmelonen mit Hilfe von Dr. Oetker Brausepulver Geschmacksrichtung Orange und Kaliumpermanganat-Beigaben für mitteleuropäische Magen essbar zu machen.

Als Angriffszeitpunkt für die Entscheidungsschlacht wurde die Zeit gewählt, in der die alten Tschama Wassermelonen im Kalaharigebiet bereits vertrocknet  und die neuen Tschamas noch nicht nachgewachsen waren. Das schränkte die Beweglichkeit der Aufständischen auf wenige Orte ein, so dass man dort gezielt nach ihnen suchen konnte. Zudem musste man wegen der Staubentwicklung und der Hitze überwiegend nachts marschieren, dafür brauchte man ausreichend Mondlicht. Vollmond war Mittwoch, 18. März 1908  und damit der optimale Zeitpunkt, zu dem die Expedition vorbereitet wurde.


Vorbereitende Arbeiten

Zuerst wurden alle bekannten Quelle, die sich mit dem Feldzug und dem Nachspiel beschäftigten, gesichtet. Ziel war es, Kartenmaterial und Gefechtsfeldbeschreibungen zu erhalten, um das Suchfeld einzugrenzen.

Mit folgenden Quellen wurden die Grundinformationen zusammengetragen:

  • Anders, Ernst „Hauptmann Friedrich von Erckert – Ein Lebensbild“, Militärwochenblatt 1910
  • Haacke, Wulf: The Kalahari Expedition March 1908 Botswana Notes and Records, Volume 24, 1992
  • "Generalstabstwerk": Kriegsgeschichtliche Abteilung im Großen Generalstab: Morengas Ende und der Zug Erckerts gegen Simon Kopper in die Kalahari Berlin 1908
  • Kirchheim, H. Leuntant: ( war Erkunderoffizier und schrieb seine Erinnerungen 1967 auf ) Auszüge aus dem Expeditionsbericht
  • Mc Gregor, Gordon: German Medals, British Soldiers and the Kalahari Desert, Windhoek 2007
  • National Archives of Namibia: Geheimakte Simon Koper
  • Ohlemann, Julius: ( war begleitender Arzt und hat die Photos während der Expedition gemacht ) „Beim Kamelreiterkorps des Hauptmann von Erckert“ in „Auf weiter Fahrt“ Band VI, 1909 Neu abgedruckt und leicht ergänzt in Afrikanischer Heimatkalender 1972
  • Schmiedel, Hans „Hauptmann Friedrich von Erckert in Deutschsüdwestafrika und seine Zeit“,
  • Selbstverlag des Familienverbandes Erckert-Von Eerckert, Ansbach 1974
  • Südwestafrikanische Zeitung vom 25.03.1908: Gefechtsmeldung und Nachruf auf Friedrich von Erckert (ohne Autor)
  • Zeitschrift „Die Woche“ „Die Expedition des Hauptmann von Erckert gegen Simon Copper“ , Juli 1908
  • Green, L. G.: To the River´s End Capetown 1981 Hier ist ein  Photo der ( durchlöcherten ) Wasserbehälter bei Geinab drin. Das Buch ist allerdings fern von wissenschaftlich.  Dank an Herrn Anton Meyer, der uns die relevanten Scans zugesandt hat.

Folgende mögliche Quellen sind noch nicht aufgefunden / ausgewertet:

  • Kichheim, H. Manuskript 67 getippte Seiten von 1967 unveröffentlicht „Die Expedition des Hauptmann von Erckert in die Kalahari in März 1908“  Wir haben bisher nur eine Kurzfassung vorliegen.

Kartenmaterial

Karte aus  Generalstabswerk Großübersicht - Bearbeitet von den Fernmeldern

Karte aus Generalstabswerk Großübersicht - Bearbeitet von den Fernmeldern

Dieses Geinab heißt heute Unions End; es gibt noch ein richtiges Geinab am Nossob ca. 25 km südostwärts. Dieses Geinab ist also in jedem Fall falsch eingezeichnet. Arahoab heißt heute Aranos. Gochas liegt gemäß dieser Karte ungefähr auf Seatsub Höhe. Den Zusammenfluss von Kleinem Nossob und Großem Nossob ist auf den mir zur Verfügung stehenden Karten nicht vorhanden / benamst. Hier heißt er Okanous, ( auch Akanous ) liegt gemäß dieser Karte ungefähr auf Seatsub Höhe. Vermutung nach Google Earth Auswertung: S 24 39`22.49 E 19 45`59.93

Erckert Karte: Von Erckert 1907  zu  Ausbildungsbeginn erstelltErckert Karte: Von Erckert 1907 zu Ausbildungsbeginn erstellt

Geinab ist hier fast identisch mit dem heutigen Geinab, also eher richtig eingezeichnet. Das Schlachtfeld ist wesentlich weiter nördlich eingezeichnet, als auf der Generalstabskarte. Beim Anmarsch sind die Pfannennamen LIMPU und MOLENTSAN ( Paul Klipp / Pauls Kolk ) aufgezeigt.

Karte von Kurt von Francois von 1892 16 Jahre vor dem Feldzug gezeichnet

Karte von Kurt von Francois von 1892 16 Jahre vor dem Feldzug gezeichnet

Hier ist auf Höhe des Zusammenflusses von Kleiner und Großer Nossob Pauls Kolk / Klipp Kolk als mutmaßlicher Gefechtsort etwas entfernt von der Seazup / Setachwe / Sitatchwe Pfanne eingezeichnet. Das Gefecht soll gemäß dieser Karte ostwärtig von Paul Kolk stattgefundenhaAusschnitt Kurt von Francois Karteben.

Beachtenswert auch das Wegekreuz zwischen Hauptweg nach Lehutitang und Molentsan.

Der Hauptweg war nachher auch der Fluchtweg von Simon Kopper. Die Namen sind heute natürlich alle anders, aber vielleicht lassen lassen sich die Pfannen ja anhand der Formen und Lage zueinander identifizieren

Wenn man alle verfügbaren  Karten jetzt anhand von verschiedenen Eigenschaften wie Nossob - Flusslauf oder Grenzlinie oder Größere Ansiedlungen kalibriert, erhält man folgendes Suchfeld:

Erckert ExpeditionDas Ergebnis war natürlich sehr deprimierend. Das Suchfeld ist mit 720 Quadratkilometer natürlich viel zu groß, um im Rahmen einer einwöchigen Spurensuche das Gefechtsfeld aufzufinden. Wir mussten also weitere Verfeinerungen vornehmen. Hierzu nahmen wir uns jetzt alle verfügbaren schriftlichen Quellen vor, um mit Hilfe von dort gemachten, wenn auch teils widersprüchlichen Entfernungs- und Zeitangaben das Suchfeld weiter einzugrenzen.

Update: Wir haben in Zusammenarbeit mit Herrn Hillebrecht vom Nationalmuseum eine weitere Karte identifizieren können, die aus dem Nachlass vom Leutnant Ebinger stammt. ( Er liegt neben Erckert begraben ). Im Bereich Südwestafrika sind sogar die Anzahl der zu überquerenden Dünen drin, auf botswanesischer Seite "nur" die Kilometerangaben bis Paul´s Kolk.


Zusätzliche Entfernungsangaben aus verschiedenen Expeditionsberichten

11.03. Zusammentreffen der Einheiten in Geinab.

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12.03. Pause in Geinab, Verpflegungs- und Wasserdepot ( 3.000 Liter ). Telefonkabel bis Aranos war verlegt, Heliographenstation wurde aufgebaut. Befehlsausgabe abends. Abmarsch 20:00 in nordostwärtige / östliche Richtung auf den Spuren des 35 pferdigen Terrorkommandos. Nach jeder Stunde 10 Minuten Pause, nur weit auseinander liegende Dornenbüsche. Um 01:25 Uhr Monduntergang, Rast. Ungefähr 20 km geschafft. ( 325 Minuten Nacht-Marschgeschwindigkeit ca. 3,7 km je Stunde. Halte ich für einen Gefechtsmarsch für zu hoch )

13.03. Früh weiter. Nach zwei Stunden wurde LIMPU Pfanne bei km 30 erreicht und überquert. ( Andere Namen: Limpo, Rempu, Dimbo; Long Rambuka ). Gewaltige, ganz flache Bodensenkung, oval geformt mit scharfem Rand, ohne jede Vegetation, mit lehmig-tonigem ganz glatten Überzug. „ wie eine riesige Rennbahn“. 5 km weiter, bei km 35, wurde ein Heliographenturm erbaut und Verbindung zu Geinab hergestellt. ( Gibt es in der Gegend eine besonders hohe Einzel-Düne? ) Hier war dann der Platz für die Sanitätseinheit und Logistische Abteilung. Die Kampftruppe marschierte ab 18:00 Uhr noch 12 km weiter.

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14.03. Rast der Kampftruppe, Versorgung mit Wasser, Abmarsch 17:00 Uhr Nach zwei Stunden wird eine weitere Pfanne erreicht, die von den Erkundern MOLENTSAN(E) genannt wurde. ( Haacke hat diese Pfanne eindeutig zuordnen können, da hier von ihm eine große Anzahl Konservendosen gefunden wurde ). Großes Tsamma Feld, alter Rastplatz der Nama, Erckert verirrt sich, muss Signalpistole einsetzten. Das wurde wohl von Kopper und seinen Männern gesehen. Kopper gibt Instruktionen und setzt sich am nächsten Tag nachmittags ab.

15.03. Kleiner Schusswechsel gegen Kopper-Scouts, weiteres vor ca. 14 Tagen verlassenes Nama Lager gefunden. Weiterzug nordostwärt gemäß Dr. Ohlemann, Weiterzug nördlich gemäß Lt. Kirchheim. Sanitätseinheit wird nach Molentsane Pan nachgeführt, nachmittags verspäteter Weiterritt, nach 3 Stunden wurde ein vor 14 Tagen verlassenes Nama Camp gefunden. Ab dann Fußmarsch der Nahsicherer / reiten im schnellen Paßgang. Um 22:00 / 22:30 Uhr Nachricht Erkunderoffizier Lt. Geibel Kopper Camp ist 14-16 km ( ostwärts ) von Molentsane Pan. Also nur 2-3 km nordostwärts vom Vorkommando entfernt. Der Gegner ist eingeholt.

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16.03. 00:35 Uhr Gefechtsbefehl durch Hauptmann Erckert. Ab 02:00 Uhr Beginn der Umkreisung des Kopper Camps. Abteilung Hauptmann Willeke von Osten, Hauptmann Grüner von Westen. Jeweils 3 km auseinander. Hier werden Kamele zurückgelassen. Dann 2 km nach Norden und dann annähern bis auf 1.000 m. Willeke 04:30 in Position Grüner etwas später. Lt. Von Boetticher Reserve 500 m nordwestlich hinter, MG Einheit 1.500 m entfernt von den beiden Hauptlinien.

Mit Anbruch der Dämmerung 05: 15 / 05: 30 Uhr vorgehen. Erckert bei 16. Kompanie. Dickes Bushveld mit großen Büschen, das Kopper- Hauptcamp war auf einer isoliert gelegenen Inseldüne mit ein paar Schützengräben. Ca. 200 Gewehre bei den Kopper Leuten.

06:30 Uhr Bajonett Angriff durch tiefen Sand, Nama Rückzug in Südliche /Südwestliche Richtung über Lt. Elbingers Zug.

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Um 07:30 Uhr war das Gefecht beendet. ( Karte  ohne Maßstab aus Generalstabswerk. Schlachtfeld mit auffälliger nierenförmiger Pfanne. Zur Bestimmung der Pfannengröße helfen vielleicht folgende Daten: Die linke und rechte Umfassung spannten sich jeweils über ca. 2.000m mit 10-20 m zwischen den einzelnen Schützen.

Absuchen des Gefechtsfeldes nach Verwundeten und Toten. Verwundeten-Sammelplatz wurde an der Nordostecke der Inseldüne errichtet. Ankunft der Sanitätseinheiten von Molentsan um 09:00 Uhr. 19 Verwundete Deutsche, davon 10 schwer. Spät am Nachmittag Beerdigung der 13 Toten.58 Tote Kopper-Leute wurden zusammengetragen und gezählt.Dabei Isaak Kopper, der Bruder von Simon Kopper und Eliesar, dem Führer des Trupps, der am 08. März die Patrouille Jäger niedergemacht hat.

Verfolgung der geflüchteten Kopper Leute wegen Wassermangel nicht möglich. 19:30 Uhr Beginn Rückmarsch. 2 Verwundete starben in Limpu und wurden dort an der Pfanne beerdigt.

Erckert Expedition17.03.: Moletsan(e) Pan Heliographischer Bericht nach Limpu / Rempu / Lang Rambuka Pan und weiter nach Geinab. Von dort per Telephon nach Windhoek!  Von Arahoab und Geinab wurde Wasser angefordert, sowie das lossenden einen Verwundetentransport - Ochsenwagens.

18.03.: 05:00 Uhr Wasserversorgung an Heliographenstation 5 km ostwärts von LIMPU Pan

19.03.: Frühmorgens wurde Geinab vlei am Nossob erreicht. Hier waren noch lange Zeit die 14 x 400 Liter Wasserkanister vorhanden, sowie Schützengräben. Wurde später von Farmen aus Südwest gestohlen.

22.03.: Die Expeditionskräfte erreichen Arahoab

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Nach meinen Berechnungen aus diesen gesammelten Angaben  sind linke und rechte Kilometergrenze nach Abmarsch von Geinab wie folgt: Konservativ (3,7 km je Marschstunde) / Schnell (5 km je Marschstunde) tagsüber

27,4 km
LIMPU
30 km
32,4 km
Heliographenstation, hohe Düne
35 km
44,4 km Rastplatz Kampftruppe
47 km
51,8 km Molentsan Pfanne 57 km
62,9 km
Sammelplatz 1
72 km
64,9-65,9 km Platz des Gefechts
74-75 km

 

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Mit diesen Angaben haben wir das Suchfeld weiter eingegrenzt. Bei der Auswertung dieses verkleinerten Suchfeldes sind wir auf nebenstehenden Platz gestoßen, der zur Zeit unser Suchfavorit ist. Wenn man die Gefechtsfeldskizze aus dem Generalstabsbericht masstabsgerecht rüberlegt, scheinen wir mit diesem Platz schon sehr gut zu liegen. Wesentliche Geographische Eigenschaften lassen sich hier zuordnen, wenn auch einige Abweichungen vorhanden sind. Die Wahrscheinlichkeit das Gräberfeld zu finden ist an drei Orten in diesem Suchfeld besonders hoch.

Da Deutsche Soldaten mit Waffen im Nachspiel des Gefechtes keine Grenzübertrittsgenehmigung von den Britischen Protektoratsbehörden erhielten, wurden in Gochas - knapp 200km westlich der sterblichen Überreste - die Grabsteine der bei diesem Feldzug gefallenen deutschen Soldaten aufgestellt. Als Gefechtsort gab es einen Schreibfehler. Auf dem Grabstein steht heute noch Paulsvolk an Stelle von Paulskolk.

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Weitere Quellen zur Kamelreitertruppe und Hauptmann Friedrich von Erckert