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Warmbad - Kolmanskuppe mit heißem Wasser

Warmbad Warmbad

Warmbad galt bis zur Wiederentdeckung von //Khauxa!nas als das älteste Dorf auf dem Gebiet des heutigen Namibias. Einer großer Teil der Deutsch-Südwestafrikanischen Geschichte hat sich hier abgespielt.

Die Geschichte

Warmbad wurde unter diesem Namen bereits 1760 (Jacobus Coetzee: 1760 und Heinrich Hoppe oder Hendrik Hop: 1761 sowie Willem van Reenen: 1791) erwähnt und war im 18. und frühen 19.Jahrhundert der erste Anlaufpunkt von europäischen Händlern, Abenteurern, Großwildjägern und ab 1805 auch von Missionaren, die über den Oranje aus der südafrikanischen Kapkolonie kamen.
Der Name ǀAixa-aibes wurde von den Nama benutzt, die Engländer nannten es Nisbett's Bath.

Warmbad war aber auch die erste grössere Station für die, vor dem europäischen Kolonialismus entweichenden, entwurzelten Namagemeinschaften aus Südafrika.
Es war der Hauptort der /Gami-Inûn, oder besser bekannt unter dem Afrikaans orientierten Namen Bondelswarts ( Bündel Schwarzer )

Die deutsche Kolonialzeit begann mit einem Schutzvertrag zwischen dem kaiserlichen Reichskommissar Dr. H. Göring und dem Führer der Bondelswart Namas, Wilhelm Christian, am 21 August 1890. Ab 1894 wurde ein Truppendetachment der deutschen Schutztruppe in Warmbad stationiert. Obwohl Warmbad ab 1895 Distriktstatus hatte, blieb es ein Unterbezirk von Keetmanshoop. Es hatte Post- und Telegraphenstation,

war Sitz eines Zollamtes, später Standort einer ganzen Kompagnie der Schutztruppe. Der Ort ist ferner Missionsstation und befand sich im Besitz einer gut besuchten Schule für europäische Kinder. Erst 1910 bekam Warmbad seinen eigenen Bezirksrat.

1905 - während des Nama-Krieges - bekam Warmbad ein eigenes Fort und andere militärische und bürgerliche Gebäude, unter ihnen das Gebäude der Distriktsverwaltung (1904/05) und das Offiziershaus (1908). Außerdem wurden die bestehenden Rinder- und Kamelkräle vergrössert.
Auf einem Hügel östlich der Stadt liegt das Garnisonshospital sowie das Doktorenhaus aus dem Jahre 1908.

Übersicht

Warmbad war an zentraler Handelsroute zwischen der Kapregion Südafrikas und dem Groß-Namaland. Von hier aus ist nicht allein die Grenze der Kapkolonie am schnellsten zu erreichen, sondern insofern auch an einer besonders günstigen Stelle, als sich die von Port Nolloth ausgehende Eisenbahn der sehr viel benutzten Übergangsstelle über den Oranje, Ramansdrift am meisten nähert.

Im Rahmen der deutschen Sonderinitiative NGSIP, die sich an Gemeinschaften in Namibia wendet, die besonders unter der deutschen Kolonialzeit gelitten haben, wurden auch mehrere Projekte in Warmbad gefördert. Zukunftsfähig und Hilfe zur Selbsthilfe sind immer tourismusstützende Projekte.

Das Thermalbad

28° 26.988'S   18° 44.191'E

Das Außenschwimmbad

hinten rechts ist jetzt das moderne Rastlagerhinten rechts ist jetzt das moderne Rastlager

 Das heutige AußenschwimmbadDas heutige Außenschwimmbad

 Das Umkleide und Badehäuschen aus deutscher Zeit Heute

 

Das Thermalbad

Um ein top notch Thermalbad für die Gemeinschaft in Warmbad zu bauen, hat man den privaten Betreiber des funktionierenden Thermalbades vertrieben, um ein neues, viel viel schöneres dort hinzubauen.
Von weit außen sieht es noch fast gut aus:

Es wird aber nicht für die Öffentlichkeit freigegeben. Wenigstens mit deutschen Ketten verschlossen.
Von hinten rechts kommt man über einen heruntergedrückten Zaun und einem offenen Tor aber hinein.

Innen nutzbar

Das Rastlager

28° 27.109'S   18° 44.113'E

Um die schöne neue Welt des Thermalbadens auch mit kurzen Wegen genießen zu können, hat man ein Rastlager mit kulturellen Touch gleich mit dazugebaut. Man kann es zu Fuß vom Thermalbad erreichen.

Es gibt Campingplätze mit Grillstellen, ein Gemeinschaftsfeuerplatz, Quadratische Gebäude und runde traditioneller aussehende Gebäude.

Leider sind hier auch schon wieder Nichtnutzungsschäden zu verzeichnen. Das stark korrodierende Wasser setzt den Eisenzäunen zu, da die Bauausführung hier keine guten wasserdichten Betonfundamente hinbekommen hat.

Eine topmodernen Wasseraufbereitungssystem behandelt Abwasser, wenn sie denn mal enstehen. OK, und die geklauten Batterien müssen dann natürlich auch wieder eingesetzt werden. Das Handbuch ist ja noch vor Ort.

Die alte Feste (Fundament )

28° 26.947'S   18° 44.145'E

Von der ersten Feste, die die Deutschen gebaut haben, sind nur noch Fundamentreste erhalten. Im Jahre 1955 wurden die letzten Reste ganz abgeräumt.

Noch zu erkennen ist das Kühlhaus. Hinter den Palmen sind noch Reste eines alten Lagerhauses. Dort ist auch der Weg, der durch ein Zaunloch zum Thermalbad führt.

Blick von der Alten Feste auf Warmbad 1910 und 2015

Das Offizierhaus

28° 26.896'S  18° 44.208'E

Das Offizierhaus wurde bis 2006 aus Mitteln des deutschen Kulturbewahrungsfond restauriert und dann als Touristeninformation, Beherbergungsbetrieb "Hot Springs Lodge" und Restaurant eröffnet.
Jetzt ist alles zu, aber aufgeräumt.

Das war das Haus von Graf von Kageneck, einem alten Bekannten aus dem Morenga-Roman von Uwe Timm.

Peinlich, er kannte nicht einmal die aktuelle Anschrift seiner Frau!

Der Lagerraum

Das Alte Amtsgericht

28° 26.941'S   18° 44.237'E

 

Neue Polizeistation

28° 26.956'S   18° 44.284'E

Von 1907 bis 1913 wurde die Feste für die Soldaten an einem neuen Standort vergrößert und erhielt die beiden ikonischen Türmchen.  Heute wird der Bereich als Polizeistation genutzt.

Pferde- und Kamelkraale, Paradeplatz

28° 26.880'S   18° 44.332'E

 

Blick vom Pferdekraal auf das heutige Museum

Warmbad Museum

28° 26.848'S   18° 44.335'E

Das heutige Museum war zur deutschen Kolonialzeit die Polizeistation. Es wurde bis März 2002 umgebaut.
Im Museum sind viele schwarz-weiß Photographien zur Entwicklung des Ortes.
Ein Museumswächter ist immer schwer zu finden. Einfach Dahergelaufene im Ort fragen, ansonsten in der modernen Polizeistation. Irgendwann kommt dann einer zum Museum und schließt auf.

Das Krankenhaus

28° 27.029'S   18° 44.550'E

Blick von der Stadt auf das 1908 erbaute Krankenhaus. Aus Seuchenschutzgründen etwas abseits der Stadt.

Links Latrinen und Waschhaus, in der Mitte das Krankenhaus und rechts das Arzthaus

 Das Arzthaus  28° 27.063'S  18° 44.554'E

 

Das Krankengebäude

Das Rezeptionsgebäude

 Die Latrinen

 

Die alte Missionskirche

28° 26.782'S   18° 43.905'E

Die von Missionar Weber 1877 eingeweihte Kirche der Rheinischen Missionsgesellschaft. Die vom Einsturz bedrohte Kirche wurde 1990 restauriert. Dr. Klaus Dierks hat die Restaurierung der Missionkirche ausführlich beschrieben.

 

 

Die alte Pastorie

28° 26.825'S   18° 43.860'E

1805 initiierten die beiden Missionare der London Missionary Society, Abraham und Christian Albrecht, den Bau einer Kirche und eines Pfarrhauses und errichteten damit die erste Missionsstation in Südwestafrika. Abraham starb bereits 181. Die lokale Orlamgemeinde unter der Führung von Jager Afrikaner wurde bald wütend über den europäischen Einfluss und zerstörte 1811 beide Gebäude.

Im Jahr 1825 traf der Missionar William Threllfall als der erste Missionar der Wesleyanischen Missionsgesellschaft in Warmbad ein. Er wurde kurz nach seiner Ankunft ermordet und konnte sich dadurch möglichwerweise verbessern.

1834 wurde die Missionsarbeit von Missionar Edward Cook wieder aufgenommen. Cook nannte Warmbad nach dem Gründer der Wesleyanischen Kirche 'Nisbett Bath'. Ihm gelang es in 9 Jahren 437 Seelen durch Taufe zu retten.

Die alte "Pastorie" wurde auf den Fundamenten des von den Brüdern Abraham und Christian Albrecht 1805 gebauten Hauses errichtet.

Man kann also das Cook'sche Missionshaus mit Recht als das älteste, immer noch bestehende, europäisch inspirierte Gebäude in Namibia bezeichnen.
In einem der Zimmer wohnte der britische Forscher Sir James Alexander, der 1836 in Warmbad weilte.

Der Friedhof und Morenga Denkmal

28° 26.518'S   18° 43.921'E

Gestorben wurde schon immer. Daher ist der Friedhof auch gut belegt.

Jacob Morenga griff die im Süden Namibias stationierten Deutschen von seiner Festung ǁKhauxaǃnas aus an. Auf dem Warmbader Friedhof erinnert seit 2008 eine Statue an ihn und and diese Ereignisse.

Lee-Metford Rifle .303Lee-Metford Rifle .303

Bei dem Gewehr auf dem Monument handelt es sich um ein Lee-Metford Rifle. Vorne ein wenig künstlerisch verkürzt, da plötzlich der Platz auf der Seitenwand fehlte.
Sehr beliebt in Kolonialkriegen der Engländer in Tateinheit mit der .303 Patrone.

Es gibt auch eine Reihe von Kriegsgräbern alliierter und deutscher Truppen, die während der Schlacht von Sandfontein im I. Weltkrieg gefallen sind. 20 Südafrikaner und 5 Deutsche liegen in Warmbad, die 15 Deutschen auf dem Gefechtsfeld auf einem eigenen Friedhof.

Bei den anderen deutschen Gräbern ist auch wieder die ganze Spannbreite der Grabsteine von 1890 - Heute sichtbar.

Ein besonderes Grab ist das von Leutnant Jobst, dem damaligen stellvertretenden Distriktchef.
Er mischte sich damals in eine belanglose Stammesangelegenheit zwischen Hereros und Namas ein, was im Schutzvertrag zwischen Deutschem Reich und den Bodelswarts nicht vorgesehen war.
Der Kapitän der Bondelswart, Abraham Christian, hatte einer Gruppe Hereros einen Schafbock geklaut. Diese beschwerten sich bei Jobst und er verhängte eine Wiedergutmachungsstrafe an die Hereros in Höhe von 20 Reichsmark.
Die wurden von Abraham Christian auch bezahlt.
Das reichte Jobst nicht, er wollte den Kapitän persönlich "vergattern" und ritt am 25.10.1903 mit kleinem Polizeiaufgebot zur Werft des Kapitäns. Als man ihn aus seiner Hütte zerrte, erschoß einer der Polizisten den Kapitän. Dauraufhin kam die deutsche Polizeitruppe unter das Feuer von ca. 60-70 Gewehren und Jobst, Feldwebel Snay und ein Gefreiter Kuhn fielen. Der Rest flüchtete nach Warmbad ins Fort.
Dieses Ereignis führte zu einer ( unnötigen ) Strafexpedition unter Hauptmann Koppy aus Keetmanshoop mit Heeresfolge von 40 Witboois unter Führung von Hendrik Witbooi selbst. (Hendrik Witbooi wurde für seine Mitwirkung an der Niederwerfung der Bondelswarts vom Deutschen Reich die Goldene Verdienstmedaille verliehen ).
Kommandeur Leutwein zog fast die gesamte aktive Schutztruppe zur Bekämpfung dieses Aufstandes in den Süden ab und entblößte damit den Norden und Zentralbereich von Soldaten. Damit legte er einen Keim zum Losschlagen der Hereros zu einem allgemeinen Aufstand gegen die Deutsche Herrschaft.

Auch die Gräber von mehreren Generationen von Bondelswart -Führern sind auf dem Friedhof in Warmbad zu finden.

 

Edward Cook Grab

28° 26.371'S   18° 43.833'E

Durch einen tragischen Unfall verstarb Missionar Cook im Jahre 1843. Der 1929 von der Methodistenkirche aufgestellte Gedenkstein befindet sich an dem Ort, an dem das Grab von Cook vermutet wird. Seit 17. Mai 1978 ist es ein namibisches Nationaldenkmal.
Der übersetzte Text auf dem Gedenkstein lautet wie folgt:

[In liebendem Gedenken an Edward Cook, Wesleyanischer Missionar, der sich darin verzehrte, das Volk der Bondelswarts zu retten. Er starb in der Wüste am 09. März 1843 im Alter von 36 Jahren. "Die Liebe Christi zwingt uns"]

 

Warmbad Heute

Wenn Warmbad auch Heute wie nach einem Bombenangriff aussieht, so war es bereits 1922 ein echter Bombenhagel, der auf Warmbad niederging. Der erste Nachkriegs - Einsatz - außer gegen streikende Weiße Minenarbeiter in den Rand- Unruhen bei Johannesburg im gleichen Jahr - gegen renitente Bondelswarts-Nama, die Ihre Reservatsgrenzen anders interpretierten und sowieso gegen die Einführung von Hundesteuerplaketten waren. In der Folge gingen 115 Seelen über die Regenbogenbrücke.

Als die Hauptstraße und Eisenbahnlinie zwischen Südafrika und Namibia gebaut wurde, umging sie Warmbad und führte zum allmählichen Niedergang der Stadt.

90 Prozent der rund 1.200 Einwohner sind arbeitslos. Man kommt mit ein bißchen Schaf- und Ziegenhaltumg mehr schlecht als recht zurecht.

Im Rahmen der deutschen Sonderinitiative NGSIP wurde 2013/14 ein Gemeinschaftshaus für die Traditionelle Behörde der Bondelswart-Namas gebaut. Es wird noch nicht genutzt.

 

Welche Entschuldigung gibt es für eine im Staub liegende Stadt, die schon fast wie ein Kolmanskuppe mit heißer Quelle wirkt?
Warmbad präsentiert sich Heute völlig visionslos. Trotz hervorragender Neustartbedingungen gibt es keinerlei lokale Initiativen.
Man muss in der Entwicklungshilfe die Gemeinschaften vor Ort viel länger an die Hand nehmen, als das bisher eingeplant ist. Leider bekommt man dann auch sehr schell wieder den Vorwurf neo-kolonial zu sein.
Wenn die Argumente ausgehen, sind wir halt immer die Rassisten.

Anfahrtbeschreibung

Von Karasburg, dem alten Kalkfontein-Süd, fährt man für 50 km / 40 Minuten auf der C 10 / M 21 Schotterstraße nach Süden.

 

von der D 210 kommendvon der D 210 kommend

Literaturempfehlung:

Nuhn, Walter: Feind überall - Der Große Nama-Aufstand 1904-1908, Bonn, 2000 ISBN ISBN 3-7637-6207-8

Vaupel, Michael: Die Nama unter deutscher Kolonialherrschaft - Arrangements und Konfliktfelder Namibia Wissenschaftliche Gesellschaft Basel / Windhoek, 2011 ISBN 978-3-941602-65-6 Deutschland

Timm, Uwe: Morenga, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2010, 10. Auflage, ISBN 978-3-423-12725-7

Alexander, James Edward: Expedition of discovery into the interior of Africa : Through the Hitherto Undescribed Countries of the Great Namaquas, Boschmans, and Hill Damaras, Performed under the Auspices of Her Majesty's Government and the Royal Geographic Society. 2 Bände. – London : Henry Colburn, 1838

Flamingo Air Namibia Bordmagazin  April 2013

 

Die Rutschbahn von Narudas

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Der Autor

Carsten Möhle ist Safari-Spezialist, wandelndes Afrika-Lexikon, Expeditionsleiter und Herbergsvater.

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